Nach dem Master – Doktor!

Eine Master-Absolventin berichtet von Ihren Erfahrungen im Doktorstudium

Nach dem Master hast du zahlreiche Möglichkeiten, deinen Karrierestart zu gestalten. Auch eine Promotion steht dir offen! Aber wie läuft so ein Doktoratsstudium eigentlich ab?
Unser Interview mit der Doktorandin Theresa Sieland gibt dir einige Einblicke!

In welchem Fach hast du deinen Master gemacht und wie ist die fachliche Ausrichtung deines Doktoratsstudiums? Was ist das Thema deiner Doktorarbeit?

Meinen Master habe ich im Fach “Modernes Japan” gemacht, das einen kultur- und sozialwissenschaftlichen Schwerpunkt hat. In meiner Masterarbeit, auf die mein Dissertationsthema aufbaut, habe ich mich mit einem Kunstfestival beschäftigt, das eine von Landflucht und Überalterung betroffene Region in Japan wiederzubeleben versucht. In meiner Doktorarbeit beschäftige ich mich nun mit den Restrukturierungsproblemen ländlicher Gebiete in der gegenwärtigen japanischen Gesellschaft.

Was hat dich dazu bewegt, deine akademische Laufbahn nach dem Master als Doktorandin fortzusetzen?

Wissenschaftliches Arbeiten hat mir bereits am Anfang meines Studiums sehr viel Spaß gemacht. Nach einem Kurs zur Berufsorientierung habe ich gemerkt, dass ich trotz der heutigen Unsicherheiten einer Karriere in der Wissenschaft bzw. Universität nicht abgeneigt bin. Ich möchte weiter forschen und mich in diesem Bereich weiterorientieren. Deshalb habe ich mich noch während meines Masters für eine Individualpromotion entschieden und mache nun nebenberuflich meinen Doktor.

Wie sieht jetzt als Doktorandin dein Alltag aus?

Da ich noch am Anfang meines Promotionsstudiums stehe, recherchiere ich derzeit viel Literatur. In regelmäßigen Abständen tausche ich mich mit anderen Doktoranden über ihre und meine Forschung aus und besuche wissenschaftliche Kolloquien. Zudem plane ich gerade einen Forschungsaufenthalt in Japan, für den ich mich erfolgreich auf einen Reisekostenzuschuss beworben habe. Um meine Promotion zu finanzieren, arbeite ich momentan in einer Sprachschule als Lehrerin und als Texterin in einer Online-Redaktion.

Inwieweit unterscheidet sich das Doktoratsstudium von deiner Zeit als Master-Studentin?

Ich arbeite gerade 30 Stunden pro Woche zusätzlich zu meiner wissenschaftlichen Arbeit, was schon einen Unterschied zum Studienalltag darstellt. Allerdings war die Umstellung nicht allzu groß, da ich viele der Dinge, die meinen Alltag jetzt ausfüllen, bereits in ähnlicher Form während meines Masters gemacht habe. Da der Druck seitens der Universität – Abgabetermine für Hausarbeiten, Klausuren, das Sammeln von Credit Points – wegfällt, bin ich natürlich noch stärker dafür verantwortlich, mich selbst zum Arbeiten an meiner Promotion zu motivieren. Die Promotion lässt mir im Gegensatz zum Studium aber mehr Freiheiten, mich ausschließlich mit den Themen auseinanderzusetzen, für die ich mich wirklich begeistere. Das finde ich total angenehm.

Hat dein Master-Studium dich gut auf deine jetzigen Aufgaben vorbereitet?

Im Gegensatz zum Bachelor war der Bezug zu aktuellen gesellschaftlichen Themen im Masterstudium viel größer. Ich konnte mich dementsprechend viel intensiver und gleichzeitig kritischer mit den Bereichen auseinandersetzen, die mich interessieren. Auch habe ich gelernt, mich selbst richtig zu organisieren und eigenständig Forschungsfragen nachzugehen. Im Master und durch die Forschung für meine Masterarbeit, für die ich in Japan Interviews geführt habe, habe ich zugleich meine Fähigkeiten im wissenschaftlichen Arbeiten ausgebaut. Insgesamt bin ich während des Masterstudiums, sowohl in fachlicher als auch privater Hinsicht, viel selbstständiger und (selbst-)sicherer geworden. Dank des Masters fühle ich mich auf das Kommende also gut vorbereitet.

Was gefällt dir besonders daran, deinen Doktor zu machen?

Besonders spannend finde ich den Austausch mit Menschen, die allesamt fachliches Knowhow mitbringen. Die Diskussionsrunden in den Kolloquien usw. sind immer total interessant. Man lernt so immer etwas Neues dazu, was nicht nur die Forschung, sondern auch den eigenen Horizont erweitert. Außerdem kann man Dozenten und seinen Doktorvater nochmal neu bzw. anders kennenlernen, was ich sehr schön finde. Neben kostenlosen oder günstigen Weiterbildungsmöglichkeiten in den verschiedensten berufsrelevanten Bereichen genießt man an meiner Uni zudem den Luxus eines Semestertickets. Am meisten gefällt mir jedoch, dass ich mir ein Thema ausgesucht habe, von dem ich überzeugt bin und das eventuell neue Erkenntnisse zu einem aktuellen gesellschaftlichem Problem liefern kann.

Wie sind deine Zukunftspläne nach dem Abschluss?

Vor allem in den Geisteswissenschaften ist es natürlich schwierig, in der Wissenschaft Fuß zu fassen. Gerade deswegen möchte ich sehr flexibel bleiben und versuche, sowohl meine Fähigkeiten im wissenschaftlichen Arbeiten als auch in den mir liegenden Wirtschaftsbereichen auszubauen. Da mir Unterrichten, Schreiben und Forschen bzw. Recherchearbeit sehr viel Spaß macht, wäre die Arbeit an einem Kulturinstitut, aber auch im Tourismusmarketing oder Redaktionsbereich ideal. Die Jobs, die ich jetzt habe, finde ich dementsprechend bereits super.

Was würdest du Master-Studenten raten, die auch ihren Doktor machen möchten? Worauf muss man organisatorisch achten? Gibt es Kenntnisse/Fähigkeiten, die man sich auf jeden Fall erarbeiten sollte?

Als grundlegende Motivation sollte man natürlich Freude am selbstständigen, wissenschaftlichen Arbeiten mitbringen und sich ein Thema suchen, für das man sich über mehrere Jahre begeistern kann. Organisatorisch kommt es darauf an, wie genau man promovieren möchte – ob nun im Graduiertenkolleg, Forschungsprojekt oder doch in Form einer Individualpromotion. Ganz wichtig ist aber in allen Fällen, sich selbst gut organisieren zu können und vorweg strategisch sowie realistisch die Karriere zu planen. Sehr hilfreich ist dabei die Frage, wo man mit dem Doktor eigentlich hin möchte. Gleichzeitig würde ich empfehlen, für Alternativen offen zu bleiben und immer wieder Praxiserfahrungen in anderen Bereichen zu sammeln. Kompetenzen wie Gewissenhaftigkeit, Veränderungsbereitschaft und Belastbarkeit sind für angehende Doktoranden sehr wichtig. Wer sich nicht so leicht unterkriegen lässt, Spaß am Forschen hat und den Doktor nicht etwa wegen des Titels, sondern für seine Karriereplanung machen möchte, bringt meiner Ansicht nach die besten Voraussetzungen mit.